Lagebericht: Ernte befriedigend, Unkraut zuviel… und die Saison 2015!

1

Oktober 23, 2014 von Andreas

P1100398Lang ist’s her, dass wir uns das letzte Mal zu Wort gemeldet haben. Nein, wir haben nicht aufgegeben. Manche aber haben es vielleicht geahnt: Wir waren unabkömmlich. Das tat leider auch unserem Acker nicht besonders gut.

Drehen wir die Uhr zurück: Vor unserem Acker prangte Wiese, die wurde umgebrochen und zunächst getraute sich kaum ein Unkräutlein uns unter die Augen zu treten. Manch eine vermutete schon, der Nachbarsbauer würde unsere Fläche gratis mit Herbizid besprühen. Doch dem war nicht so. Das für Äcker typische Unkraut hat einfach nur eine ganze Zeit lang gebraucht, um sich bei uns heimisch zu fühlen. Und das tat es.

Vor allem der im südsteirischen Kürbisanbaugebiet verbreiteten Hühnerhirse hatte es unser Acker angetan. Die Hühnerhirse, anspruchsvoll wie sie ist, keimt im frühen Sommer. Gerade recht war ihr, dass just zu dieser Zeit auch die Ackergruppe mit anderem beschäftigt war als nach ihren zarten Keimlingen Ausschau zu halten.

Als wir das nächste Mal auf den Acker kamen, traf uns fast der Schlag. Das gute Ding hatte begonnen einen dschungelähnlichen Bestand auszubilden. Man wusste nicht wo anfangen mit dem Ausreißen. Das jedoch war zumindest auf der Erdapfelparzelle notwendig, um überhaupt einmal ernten zu können. Das Unkrautjäten gestaltete sich freilich fast wie das Roden eines Urwalds. Gefehlt hat uns nur die Machete. Die Hühnerhirse, in trockenerem Klima etwa im Raum Wien auf einen halben Meter kommend, übertraf auf unserem Acker alle Erwartungen. Um die eineinhalb Meter drängte das Gewächs gegen den Himmel und verdüsterte unsere Ertragsprognosen.

P1100403Der Ertrag hielt sich dennoch wacker. Erstens weil der Kürbis mit der Hühnerhirse (oben hinten im Bild) einen guten Umgang findet, zweitens weil der Erdapfel schon vor der Hirseninvasion seine Knollen ausgebildet hatte. Die Gründüngung war von allem Anfang an problemlos dicht gewachsen und begann Mitte des Sommers welk zu werden. Und beim Feingemüse hatten wir einen Teil schon im späten Frühjahr geerntet, und den anderen vermissten wir auch im Sommer noch. Die Tomaten dagegen wurden gut. Buschbohnen, die wir im Nachhinein auf der Feingemüseparzelle ansäten, wurden offenbar von Rehen abgefressen. Soweit so gut. Eine Bilanz von Ertrag und Arbeitszeiten übrigens werdet ihr in einem der nächsten Einträge in Bälde lesen.

Immerhin hat nicht zuletzt die Hühnerhirse bewiesen, was in dem Standort steckt. An Fruchtbarkeit mangelt es ihm nicht – und tatsächlich ist der Boden größtenteils sehr gut krümelig (siehe unten), was auf reges Regenwurmleben hindeutet; und bei regelmäßigem Pflügen wahrscheinlich zerstört werden würde.

P1100422Nun aber zurück zur Unkrautplage – und man mag hier beim besten Willen nicht mehr höflich von einem „Beikraut“ sprechen.

Letztes Wochenende kombinierten wir ein Gruppentreffen am Samstag, wo auch vier Leute sich zu unserem Projekt informierten, mit einem Arbeitstreffen am darauffolgenden Tag vor Ort.

Drei Leute von uns mühten sich rund vier Stunden lang ab, dem Unkraut Paroli zu bieten. Allerdings ging es diesmal nicht mehr um die Hühnerhirse. Denn – Überraschung! – just jene erklecklichen Bereiche, die wir von der Hirse befreit hatten, zeigten ein kleines Meer niedlicher und weniger niedlicher Sauerampferindividuen.

P1100401Was haben wir gemacht? – in unserer maschinen- und herbizidverachtenden Schlichtheit haben wir begonnen die Ampferpflanzen händisch auszustechen. Das ging eigentlich ganz gut – und bis auf die vielen Keimlinge (oben im Bild) blieb von den größeren Exemplaren auf den von der Hühnerhirse zuvor schon befreiten Flächen kaum etwas übrig. Allerdings ist inzwischen auch die Gründüngungsparzelle mit Ampfer übersät – und die ist leider ein eigenes, sehr arbeitsintensives Kapitel.

Was also ist unsere Perspektive, was das Unkraut angeht?

Kurz gesagt: wir riskieren’s!

Die Hühnerhirse nämlich ist einjährig. Sie ist bereits fast zur Gänze welk. Zwar hat sie zuvor eifrigst abertausende Samen produziert und die liegen bereits am Boden. Allerdings, so die kecke Hoffnung, wird ihre überaus üppige Biomasse über den Winter zu einem relativ dichten Mulch und so auch ihren Nachwuchs einigermaßen im Zaum halten. Die Hühnerhirse ist nicht umsonst das typische Ackerunkraut in der Südsteiermark – sie braucht jährliche Bearbeitung des Bodens, sie muss ein offenes Keimbett vorfinden und ist keine Art, die sich unter ihresgleichen oder gar anderen Pflanzen gut behaupten kann als Keimling.

P1100431Schon mehr muss man sich wegen des Ampfers sorgen. Der ist zwar, im Unterschied zur Hirse, keineswegs ein Ackerunkraut. Allerdings ist unser Acker auch kein typischer Acker. Was der Hühnerhirse zu schaffen machen dürften, nämlich der Verzicht auf Traktor und Co., das könnte dem Ampfer nur allzu gut gefallen. Er ist von der vorherigen, im Frühjahr unterpflügten Wiese durchgewachsen, nachdem er sich aus verbleibenden Wurzeln vermehren kann. (Was auch unsere Ausstechaktion in ein fragliches Licht rückt; allerdings hat ihn die sicherlich nachhaltig geschwächt, was schon immerhin etwas ist.)

Was den Ampfer angeht, bleibt nur jäten. Vor allem die Gründüngungsparzelle macht hier Schwierigkeiten, denn dort fühlt sich der Kerl besonders wohl. So dicht die Gründüngung über den Sommer auch geschlossen war, nun findet er günstige Bedingungen für sich und seinen Nachwuchs vor.

Auch in den Ampferbereichen lautet die Hoffnung „Mulch“. Der Nachteil ist hier leider paradoxerweise, dass der Ampfer weit weniger Biomasse produziert als die Hirse und ergo weniger Mulch.

Trial and Error lautet also die Devise, mit der Hoffnung auf Trial and Success.

Jedenfalls haben wir uns für dreierlei entschieden:

Erstens werden wir nächste Saison vorerst (noch) keinen weiteren Maschineneinsatz des Maschinenrings anfordern, der uns die Wiese gepflügt und nachfolgende geeggt hatte. Wenn sich Pflug und Egge als unabdingbar erweisen sollten, dann können wir das 2016 nachholen. Bis dahin darf jedenfalls nirgendwo ein Gehölz aufkommen, was in einem kleinen Feuchtbereich leider schon der Fall gewesen ist. Die Gemeinde hatte ohne Erlaubnis dort Weidenäste abgelagert und einige hatten sich über den Sommer schon bewurzelt. Wir haben sie allesamt entfernt.

Zweitens werden wir versuchen möglichst die ganze Fläche mit dem auszureißenden oder von selbst absterbenden Unkraut zu mulchen um weiteres Unkraut zu unterdrücken. Die Saat dürfte darunter nicht leiden. Schließlich erfolgte schon diese Saison die Einsaat ausschließlich per Hand. Die Saatstellen, so der Plan, werden mit der Hand ein wenig freigelegt und allfälliges Unkraut ausgerissen. Das sollte der Saat einen Startvorteil geben bis die Pflanzen selbst konkurrenzfähig genug gegenüber dem verbleibendem Unkraut sind.

P1100414Drittens werden wir die Feingemüseparzelle wahrscheinlich anders bepflanzen. Kraut hat sich als Reinfall erwiesen – zwar waren die wenigen Krautköpfe sehr groß (auch oben im Foto sind noch einige ansehnliche Nachzügler zu sehen, die in ungewöhnlich geschlossener Reihe stehen), doch hat sich gezeigt, dass in Direktsaat der Ausfall viel zu hoch ist oder sein kann. Tomaten waren ein guter Erfolg, vor allem die Sorte Clou hat sich bewährt, obwohl wir keinerlei Pflege betrieben haben und die Pflanzen letztlich auf dem strohbedeckten Boden lagen. Doch ist der Aufwand doch sehr hoch im Verhältnis zum möglichen Ertrag.

Die bisherige Idee der Bepflanzung 2015 für unsere vier Ackerteile lautet: (1) Kürbis, (2) Gründüngung (wobei die Frage ist, ob wir die Gründüngungsparzelle rotieren lassen oder notfalls dort belassen wo sie heuer war, wo sich Sonnenblume, Buchweizen und Fazelie selbst ausgesät haben), (3) Mais mit Bohne und (4) entweder erneut Kürbis oder doch auch wieder Erdapfel.

P1100406

 

 

Advertisements

Ein Kommentar zu “Lagebericht: Ernte befriedigend, Unkraut zuviel… und die Saison 2015!

  1. substanzgraz sagt:

    Ich muss mich echt zurück halten mit lachen hier im Zug…. den Bericht hast du so lustig geschrieben…. und es spiegelt das wieder was ich empfinde…. Das Unkraut war ja wirklich überwältigend und ist es noch und das alleine bringt mich schon wieder zum Schmunzeln … (immer besser als drauf los zu heulen) …. es ist der absolute wahnsinn 🙂 … aber der Ertrag war dieses Jahr wirklich Super… und ich denk ohne viel Arbeitszeit und ohne Maschienen haben wir das beste draus gemacht und super ernte rausgeholt… die Kürbisapfelmarmelade, der Kürbiskuchen, das Kürbischutney und die Kürbissuppe waren aufjedenfall ein Hit und…. die Kartoffelernte auch… Das erstemal Kartoffeln ernten ist der absolute Wahnsinn und seit diesem Moment weiß ich was für Arbeit dahinter steckt und was so ein Kartöffelchen kosten würde, würde man die Arbeit bezahlen.

    Und was die Zunkunft betrifft bin ich mit dem riskieren deiner Meinung!

    Ein Clownlehrer sagte mal zu mir:
    „Su, Take a risk“ –> und ich sag: Mut zum Scheitern … es kommt immer was raus … zb Kartoffeln und Kürbisse 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Gib deine Email Adresse ein um Updates dieses Blogs zu erhalten:

Schließe dich 21 Followern an

%d Bloggern gefällt das: